Ehemalige Synagoge Mülheim

Seit 1846 hatte die kleine Gemeinde der Mülheimer Juden an der Bassenheimer Straße  im Obergeschoss eines heute durch einen Neubau ersetzten Wohnhauses einen kleinen Betsaal, der aber die stetig anwachsende Gemeinde nicht mehr fassen konnte. So verkaufte man dieses Haus und errichtete hinter dem Wohnhaus auf demselben Grundstück, etwa 25 m von der Straße entfernt, an einem Fußpfad eine kleine Synagoge.

Am 16.10.1925 wurde das Gotteshaus feierlich eingeweiht. Eine Abbildung existiert nicht. Nach mündlichen Aussagen älterer Bürger war das Gebäude (ca. 6 x 7 m groß) aus  Bimssteinen errichtet; es hatte eine Kuppel mit dem Davidstern. Der Eingang lag auf der Ostseite; im Innenraum befand sich eine Erinnerungstafel für den einzigen, aus Mülheim stammenden, jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges.

Der Synagoge war aber keine lange Geschichte beschieden. Während der nationalsozialistischen Herrschaft organisierten NSDAP-Gruppen verbrecherische Unternehmen gegen die jüdischen Mitbürger – eskalierend in der sog. „Reichskristallnacht“ am 9./10. November 1938. Wie in vielen anderen Orten Deutschlands stürmte eine Gruppe Männer aus dem Ort die Mülheimer Synagoge, raubte sie aus, zerstörte die Innenausstattung und steckte das Gebäude in Brand. Die geraubten liturgischen Gewänder, Sakralgegenstände und Schriften wurden öffentlich verhöhnt. Die ausgebrannte Ruine der Synagoge hat man später völlig abgetragen und den Platz schließlich als Lagerfläche bzw. Gartenparzelle an einen Mülheimer Bürger veräußert.

1942 wurden die noch am Ort verbliebenen 41 jüdischen Mitbürger aus Mülheim und Kärlich zu Konzentrationslagern in Polen verschleppt; dort sind alle ermordet worden.